Im Mirabellenland (Durch Elsass und Lothringen)  
         
 

 

Für fünf Wochen im Sommer 2011 ist MS „Delfin“, eine Linssen Grand Study 29.9 AC, unsere neue Heimat. Zum 10. Mal haben wir ein Schiff bei der Familie Schönberger in Merzig/ Saar gechartert, die uns mit ihrer freundlichen und herzlichen Art sehr sympathisch ist. Man kann uns also zu Recht als Wiederholungs- oder Überzeugungstäter bezeichnen. Die Schiffe sind alle so gut ausgerüstet wie eine Privatyacht. Ein Außenstehender kann nur am dezent aufgebrachten Schriftzug www.saarmoselyachtcharter.de erkennen, dass es sich um ein Charterschiff handelt.
Unsere „Delfin“ ist ein wahres Raumwunder. Allein 36 Wasserflaschen à 1,5 l und diverse Weinflaschen verschwinden im „Keller“. Die doppelte Menge wäre auch kein Problem. Kein Zentimeter ist verschenkt, jede kleinste Ecke und Nische ist nutzbar. Die Stammcrew –wir sind ein fröhliches Jungrentnerpaar- wird wochenweise durch unsere Kinder mit ihren Partnern und einmal auch durch zwei Enkel ergänzt. Die letzten zwei Wochen fahren wir problemlos und sicher zu zweit.


MY Delfin auf der Mosel

 

1.Teil: Merzig/Saar – Charmes/Vogesenkanal

Wir starten mittags bei durchwachsenem Wetter zu Tal. Nach der wunderschönen Saarschleife folgt in Mettlach die erste der drei recht hohen Saarschleusen. Nach der ersten Moselschleuse in Grevenmacher/Luxemburg machen wir am Gemeindesteiger in Nittel fest. Obwohl wir wie immer den Liegeplatz reserviert haben, ist er durch ein „Bumsboot“ (so bezeichnet die exzellente Bootsjournalistin Doris Sutter die in Frankreich führerscheinfreien Boote der Großvermieter) besetzt. Nur mit Vor- und Achterleine belegt, bewegt sich die „schwimmende Kapelle“ stark bei jeder Passage eines Großschiffes. Wir sichern mit weiteren Leinen und werfen zusätzlich den Anker. In der Sektscheune des Weingutes Hellershof – Zilliken werden wir bestens verköstigt und der regional-typische Elbling schmeckt besonders gut. Gibt es auf der unteren Saar noch zusätzliche Schleusenkammern für kleinere Passagierschiffe und Sportboote, muss man auf der Mosel die großen Kammern (minimal 170 m x 11,40 m) nutzen. Nur in Frankreich gibt es noch drei Penichenschleusen (40 m x 5,60 m). Die Bootsschleusen mit einer Breite von 3,30 m sind zu schmal für unsere „Delfin“. Am nächsten Tag geht es nach dem obligatorischen Tankstopp in Schwebsange/Luxemburg weiter nach Thionville. Hier liegen wir nach vier Schleusen und 54 km im Oberwasser der Schleuse. Der Yachtclub im Unterwasser wirkt etwas einsam und ist auch durch die Strömung schwierig anzufahren.


Schleusen auf der Mosel

Nach nur drei Schleusen und 30 km sind wir mittags in Metz. Dieser Stopp ist ein „Muss“. Die Inseln und Nebenarme der Mosel bestimmen, natürlich neben der Kathedrale mit ihren berühmten Chagall – Fenstern, das Bild der Hauptstadt von Lothringen. Jetzt sind wir auch im Zentrum des Mirabellenlandes und nutzen das zum Kauf der köstlichen Früchte auf dem Markt, von Mirabellenmarmelade, Mirabellengeist und Mirabellenlikör (besonders gut: ein Schuss Mirabellenlikör aufgefüllt mit sehr trockenem Weißwein). Die Liegeplätze im Yachthafen der Société des Régates Messines sind sehr gut ausgestattet und in guter Lage zur Innenstadt.
Da der Verbindungskanal – Canal de Jonction, Embrachement de Nancy – zwischen dem Rhein-Marne-Kanal und dem Vogesenkanal in der Nähe von Nancy bis Ende 2011 gesperrt ist, laufen wir weiter moselaufwärts oder zu Berg. Unser Tagesziel, den Hafen von Toul, erreichen wir nicht, da die Schleusen um 19.00 Uhr geschlossen werden. Vor der Schleuse 27/2 legen wir ohne Landgangsmöglichkeit an den Dalben an.
Nach weiteren drei Moselschleusen und einer wunderschönen waldreichen Natur erreichen wir in Neuves-Maisons das Ende der Grosschifffahrtsstrasse Mosel. Ab hier geht es weiter auf dem Vogesenkanal. Vor der ersten Schleuse (ab jetzt 38,50 m x 5,20 m) stellen wir am Bug den „Höhenmesser“ auf, den Herr Schönberger uns für die die niedrigen Brückendurchfahrten mit gegeben hat, eingerichtet auf 3,50 minimale Brückenhöhe. Aber Vorsicht: Nach Starkregen oder Hochwasser kann sich die Höhe schnell verändern und plötzlich fehlen 20cm. Wir fahren langsam an die erste Schleuse und schon schlägt unser Höhenmesser an. Uns fehlen 25 cm. Also müssen wir unseren Regen- und Sonnenschutz abbauen.
In Richardménil legen wir an, ein kleiner Ort mit allem, was ein Wasserwanderer braucht: Wasser, Strom, Supermarkt, Boulangerie, Boucherie und Restaurants. Zum Nachtisch gibt es Mirabellensorbet in Mirabellen Eau de Vie. Köstlich.


Schleuse auf dem malerischen Vogesenkanal

 

Am nächsten Tag erreichen wir nach 16 Schleusen in einer herrlichen, waldreichen Gegend das kleine Städtchen Charmes. Der Hafenmeister, ein sehr freundlicher Schweizer, bringt eine schlechte Nachricht: In Schleuse 30 sind zu wiederholtem Male Steine der Schleusenmauer auf die Schiffe gefallen. Ergebnis: Die Schleusen 20-30 werden gesperrt incl. des Hafens von Charmes. Das Wasser wird in die Mosel abgelassen, Dauer der Reparatur 1-2 Wochen. Wie wir später erfuhren, dauerte die Sperrung bis Ende 2011! Eine Katastrophe. Unsere geplante Rundreise ist geplatzt!
Abends haben wir unseren Frust bekämpft. Das tolle Menu im Restaurant Dancourt hat uns geholfen, ein lukullisches Highlight der Reise: warme Forellenmousse, gefüllte Entenkeule, große Käseplatte zum Aussuchen und köstliche Desserts. Mit der Erhaltung des Kanalnetzes haben die Franzosen ihre Probleme, aber Kochen ……

2.Teil: Charmes – Straßburg/ Rhein-Marne-Kanal

Nach neuem Plan geht es zunächst zurück via Richardménil nach Toul, diesmal in den stadtnahen Hafen Port de France zum Crewwechsel: Unsere Tochter und Schwiegersohn verlassen das Schiff nach einer Woche mit kühlem und oft regnerischem Wetter, aber vielen schönen Erlebnissen, bis auf eines, s.o. Jetzt sind wir zu sechs Personen auf unserem Schiffchen, Sohn, Schwiegertochter und unsere zwei Enkel, 6 und 3 Jahre. Abends verwandeln wir den Salon in einen Schlafraum. Das Sofa lässt sich schnell in ein vollwertiges Doppelbett umbauen.
Inzwischen sind wir zurück auf der Mosel. Bei Frouard biegen wir ab und erreichen den Rhein-Marne-Kanal. Der Hafen St.Georges in Nancy ist unser Ziel. Bevor wir die Stadt mit ihrem berühmten Place Stanislas erkunden, leiht uns ein Bootsfahrer eine Eisensäge, mit der wir unseren Höhenmesser kürzen, um jetzt genau eine Gesamthöhe von 3,50 m zu erreichen. Für den Rest der Reise war es übrigens nicht mehr erforderlich, das Verdeck abzubauen. Ein Wort noch zu den „Bootspeoplen“: Die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist hervorragend. Ob in diesem Fall oder z.B. beim Anlegen, (fast) immer hilft man sich. Dieses Gemeinschaftsgefühl schätzen wir sehr.
Neun Schleusen weiter legen wir in Einville-au-Jard an. Die Schleusen sind schwieriger zu fahren, da oft unangenehme Strömungen auftreten.
Nach nur 9 km und 2 Schleusen ist unser Ziel der schöne Liegeplatz in Parroy mit Spielplatz, sehr kinderfreundlich. Wir machen unser Schlauchboot klar, und die beiden Jungs rudern begeistert mit ihrem Vater im hier recht breiten Kanal. Auch der Grill wird ausgepackt.
Am nächsten Morgen nutzen wir in Lagarde die erste Möglichkeit zum Tanken. 134 l haben wir seit Schwebsange verbraucht, d.h. 1,8 l pro Stunde. Das ist doch wirklich nicht zuviel für unseren 55 PS „starken“ Jockel, der sehr geräuscharm seinen Dienst im Keller unter dem Salon verrichtet. An einer Schleuse verkauft ein netter älterer Herr frisch gepflückte Mirabellen, köstlich!
In der letzten Aufwärtsschleuse in Réchicourt (Höhe 15,70 m)herrscht wie immer viel Gedränge. Richtig festmachen können nur zwei Boote, die beiden anderen versuchen, wenigstens eine Leine auszubringen. Doch der Schleusenwärter ist diesmal gnädig und reguliert die Wasserzufuhr langsam. Das haben wir auch schon mal anders erlebt.
Abends im Port de Houillon am Anfang des Saarkanals wird wieder gegrillt. Der sehr nette Hafenmeister nimmt auch Bestellungen für die morgendlichen Baguettes und Croissants entgegen. Die in den Karten immer noch vermerkte Dieseltankstelle ist schon seit Jahren geschlossen. Der nächste Tag bringt zunächst die beiden Tunnel von Niderviller (475 m) und Arzviller (2.306 m). Sie werden ampelgeregelt im Einbahnverkehr durchfahren. Man muss sich konzentrieren, um immer die Mitte zu halten. Eine Randberührung könnte auch eine Beschädigung des Verdecks nach sich ziehen.
Kaum ist der 2. Tunnel durchfahren, kündigt sich der Schrägaufzug von Arzviller an. Er ist eine Touristenattraktion. Viele Zuschauer sehen zu, wenn die Boote in einen Trog einfahren, der in ca. 20 Minuten die Höhe von 44,55 m überwindet. 17 Schleusen wurden durch dieses technische Wunderwerk ersetzt.


Schrägaufzug von Arzviller

4 Schleusen noch und man macht fest im malerischen Lützelburg, ein herrliches Dörfchen aus dem 12. Jahrhundert. Mit vielen schönen Liegeplätzen, die immer stark frequentiert werden. Ein Plätzchen findet sich aber immer. Im „Hotel des Voges“ kann man z.B. eine frische Forelle aus dem direkt am Haus vorbei fließenden Flüsschen Zorn bestellen. Für ein süffiges Einlaufbier empfiehlt sich auch die „Bierstub d’Eselbahn“. Auch hier kommt unser Schlauchboot wieder zum Einsatz.
Eng drängen sich im wunderschönen Zorntal der Fluß, der Kanal, die Straße und die Eisenbahn. Der Wald begleitet uns bis vor die Tore von Saverne. Die Doppelschleuse mitten in der Stadt wird wie immer von vielen Zuschauern belagert. Sie ist mit 5,43 m doppelt so hoch wie die anderen Kanalschleusen und bietet immer wieder Grund für „Begeisterung“, wenn eine unerfahrene Crew feststellt, dass die Leinen zum Fieren zu kurz sind und sie den Rest der Schleusung ohne Anbindung über sich ergehen lassen müssen.
Der Liegeplatz gegenüber dem Schloss Rohan ist wirklich exponiert. Wir nutzen noch die guten Einkaufsmöglichkeiten und erfreuen uns an den historischen Häusern, um uns dann nach weiteren 6 Schleusen in der Nähe des Dorfes Dettwiller in die Wiese zu legen. Abendliches Grillen ist mit unseren Kids immer noch die schönste und stressfreieste Art, den Tag ausklingen zu lassen.
Am nächsten Mittag steht in Hochfelden der nächste Crewwechsel an. Jetzt ist unser Jüngster mir seiner Verlobten an Bord.
Nach 8 Schleusen durch die elsässische Ebene mit ihren vielen kleinen Dörfern mit blumengeschmückten Fachwerk- und alten Bauernhäusern erreichen wir Souffelweyersheim, ein schöner kleiner Hafen vor den Toren von Straßburg. Die Einkaufsmöglichkeiten dieser gut gelegenen Etappe sind leider inzwischen sehr zurückgegangen, aber der Flammkuchen in der „Auberge du Hans“ direkt am Liegeplatz ist nach wie vor köstlich!
Nach knapp drei Stunden erreichen wir am nächsten Mittag den Yachthafen im Bassin de l’Hôpital in Straßburg. Die freundliche Aufnahme in diesem privaten Club verdient immer wieder ein Sonderlob. Der Weg zum Münster, Altstadt und „Petite France“ ist fußläufig. Straßburg ist immer eine Reise wert, zumal diesmal das Wetter mitspielt.


La petite France in Straßburg

 

3. Teil: Straßburg – Dannemarie/ Rhein-Rhône-Kanal (Südabschnitt)

Am nächsten Tag drehen wir unseren Bug Richtung Rhein-Rhône-Kanal/ Nordabschnitt. Bis Boofzheim folgen wir dem idyllischen Wasserweg. In der Marina von „Le Boat“ wird wieder gegrillt. Wie immer sitzen wir noch lange auf dem Achterdeck bei einem Glas Wein. Hier abends zu sitzen, mit schwachem Licht von einigen Teelichtern und zusehen, wie die Natur schlafen geht, das ist für uns Bootsurlaub pur.
Am nächsten Tag erreichen wir bei Rhinau den Rhein. Geplant war ja ursprünglich, den Rhein zu Tal zu fahren. Doch die Sperrung des Vogesenkanals zwingt uns nun zu Berg. Der Motor läuft mit hoher Drehzahl, doch mehr als 4-6 km pro Stunde sind nicht möglich, obwohl der Rhein in diesem Abschnitt durch Schleusen reguliert wird. Nach 30 km und zwei Großschleusen machen wir erleichtert im Yachthafen von Breisach fest. Nach diesem langen und anstrengenden Fahrtag machen wir bei schwüler Gewitterstimmung nur einen kurzen Stadtbummel und freuen uns über den letzten freien Platz in einem schattigen Biergarten.

Am nächsten Morgen haben wir Gelegenheit, in der gegenüberliegenden Marina, schon wieder auf französischem Gebiet, zu tanken, bevor wir weiter rheinaufwärts bzw. richtig gesagt auf dem Grand Canal d’Alsace fahren. Das fast durchgehend abgerundete Betonufer empfinden wir als grauenvoll: Kommt ein Binnenschiff entgegen oder überholt, so werden die Wellen bis zu 20 Minuten durch diese idiotische Uferbefestigung reflektiert und unser Schiff kämpft permanent mit den Wellen. Nach 40 km zu Berg und 3 großen Schleusen ist es endlich vorbei. Wir biegen nach steuerbord ab und gehen in die Schleuse Kembs-Niffer, die die Verbindung zum Rhein-Rhône-Kanal/ Südabschnitt ermöglicht. Gleich am Anfang fahren wir in den kleinen und nur bis zu unserem angesteuerten Liegeplatz auf 2 km schiffbaren Canal de Huningue. Achtung: Im Kanal herrscht eine starke Strömung, die beim Anlegen sehr hinderlich sein kann. Im Yachthafen Kembs werden wir sehr freundlich aufgenommen. Das Örtchen ist beschaulich wie der Kanal. Aber obwohl das Bootshaus im August geschlossen ist (weil das der traditionelle Urlaubsmonat in Frankreich ist), die Einkaufsmöglichkeiten überschaubar sind und das einzige Gasthaus mehr Ruhe- als Öffnungstage hat, haben wir uns hier am Ende der Kanalwelt sehr wohl gefühlt.
Der für die Grosschifffahrt ausgebaute Teil des Rhein-Rhône-Kanal bis zur ersten Schleuse Nr.41 (16,5 km) ist nicht sehr abwechslungsreich. Nach insgesamt vier Stunden erreichen wir das Vieux Bassin, die Marina in Mulhouse. Sie ist immer überfüllt, auch wegen der vielen Dauerlieger. Weil es früher Nachmittag ist, erwischen wir noch ein schönes Plätzchen. So bleibt noch viel Zeit zum Erkunden dieser schönen Stadt. Die Altstadt mit dem herrlichen Rathaus aus dem 16.Jahrhundert, die Kirche St. Etienne , viele blumengeschmückte Fachwerkhäuser und malerische Plätze gefallen uns sehr. Die zweisprachigen Straßenschilder weisen auf den häufigen Wechsel der Zugehörigkeit hin: mal zu Deutschland, mal zu Frankreich.
Für die Schleusung ab Schleuse 39 muss man sich am Vortag anmelden. Uns erwartete dort ein sehr netter und aufgeweckter Student als Schleusenbegleiter. Erstaunt spricht er uns auf die argentinische Flagge an, die wir neben der französischen Gastflagge führen. Wir zeigen die blau-weiß-blaue Flagge mit der Sonne wegen unserer Verbundenheit mit diesem Land. Zwei Schleusen weiter steht plötzlich seine argentinische Freundin aus Mendoza am Kanalufer. Unser Jüngster tauscht mit ihnen die e-mail-Adressen und tatsächlich treffen sie sich vier Monate später in der so schönen Weinstadt nahe der Anden. So klein ist die Welt. Eine muffige zweite Crew begleitet uns nach der Mittagspause bis zur Marina von Dannemarie, unserem Wendepunkt. Wir haben an diesem Tag 22 Schleusen und zwei Hebebrücken geschafft, aber mit den Begleitcrews, die jeweils vorfahren und die Schleusen vorbereiten und nach der Durchfahrt schließen, ist es kein Problem.
Die Aufnahme in der relativ großen Marina ist sehr freundlich. Die von vielen Fahrensleuten gelobte Hafenmeisterin ist jedoch nicht da: Urlaub in Frankreich, obwohl der August natürlich auch eine hohe Besucherfrequenz in der Marina hat. Einen Steg neben uns liegt die „Champ“ mit einem sympathischen Ehepaar aus Düsseldorf. Sie sind Langzeitfahrer und im Sommer immer mehrere Monate unterwegs. Wir erzählen von einem verlorenen Verbindungsstück für unseren Wasserschlauch, das wir jetzt irgendwo in Dannemarie auftreiben wollen. Fünf Minuten später haben wir das Teil aus der gut ausgestatteten Werkzeugkiste der „Champ“. Bezahlung: Nicht möglich. Im Laufe der Reise sollen wir uns noch oft treffen und viele Erfahrungen austauschen.
Dannemarie bietet viele Einkaufsmöglichkeiten und mehrere nette Restaurants. Da unsere Kinder am nächsten Tag von Bord gehen, wollen wir uns noch mit einem guten Abendessen verwöhnen. Das „Restaurant Ritter“ in der Nähe des Bahnhofs mit seiner ausgezeichneten Elsässerküche ist der richtige Ort, um Abschied zu feiern.
Ab jetzt sind wir die verbleibenden zwei Wochen nur noch zu zweit. Bevor wir den Rückweg antreten, gönnen wir uns einen Ruhetag. Das heißt nicht, dass wir nur faulenzen, sondern nur, dass unser Boot den ganzen Tag in der Marina bleibt. Wir nutzen die Bordräder zu einer Tour entlang dem gut ausgebauten Treidelpfad bis zur Scheitelhaltung des Kanals in Montreux – Chateau. Von hier aus geht es nur noch bergab bis zur Saône und noch weiter bis zum Mittelmeer. Ein bisschen Wehmut kommt auf, dass wir die Rundreise mit Saône und Doubs wegen der Sperrung des Vogesenkanals nicht geschafft haben, denn landschaftlich ist dieser Abschnitt besonders schön.


Liegeplatz im Rhein-Rôhne-Kanal

Wir sind stolz darauf, wie gut wir auch zu zweit unser Schiffchen beherrschen. Sehr hilfreich ist hierbei die genau mittschiffs gelegene Klampe, die oft auch das Anlegen mit einer Leine erlaubt. Es ist eben eine Linssen – Yacht, sehr durchdacht. Aber es gibt nichts, was nicht auch verbesserungsfähig ist, z.B. eine seitliche Leiter als Ein- und Ausstiegshilfe, die wir in der Wiese gerne gehabt hätten. Zwei Stufen reichen.
Schon in der Nacht ist der Wind sehr stark geworden. Vor der Schleuse 34 kommen Böen von steuerbord, so dass wir fast quer zur Schleuse stehen. Ein Wind wie ein Mistral!
An Mulhouse vorbei sind wir wieder auf dem breiten Verbindungskanal zum Rhein. Es hat sich eine richtige See aufgebaut. Ein kleines Schiff vor uns sucht schon einen rettenden Steg auf. Unser Schiff kann das ab. Bis Kembs kämpfen wir uns durch und freuen uns, dass wir wieder einen schönen und geschützten Liegeplatz haben.
Wie schön ist es, den Rhein zu Tal zu fahren. Mit niedrigen Umdrehungen schießen wir Richtung Breisach, das wir schon am frühen Nachmittag erreichen. Unseren Liegeplatz finden wir wieder im freundlichen Yachtclub Breisach. Jetzt unternehmen wir einen historischen Stadtbummel und besichtigen das Münster. Breisach ist offensichtlich ein zentraler deutscher Punkt des Jakobsweges, denn überall begegnet man der Muschel.
Zum letzten Mal tanken wir in der Marina Vogelgruen und fahren bei Rhinau in den Rhein-Rhône-Kanal/ Nordabschnitt. Nach 8 Stunden Fahrt finden wir einen Platz im Betriebshafen der VNF (Voies navigables de France) in Krafft. In einem kleinen Restaurant erfreuen wir uns an einem großen Salat mit Ziegenkäse und natürlich wieder am Flammkuchen.


Ob das gut geht?

Die Stadtfahrt durch Straßburg genießen wir besonders und ab hier hat uns der Rhein-Marne-Kanal wieder. Jetzt fahren wir wieder zu Berg und nehmen bei den Schleusen Vor- und Achterleine. Aber auch diese Manöver sind zu zweit kein Problem. Nach 8 Stunden legen wir in Waltenheim-sur-Zorn an. Hier bummeln wir durch ein blumenreiches Bauerndorf mit gepflegten Fachwerkhäusern und großen Höfen mit riesigen Toreinfahrten. Auch den liegeplatznahen Gasthof, der in der Karte verzeichnet ist, gibt es noch, was nicht selbstverständlich ist. Denn manchmal hat man den Eindruck, dass die unterschiedlichen Autoren der Karten- oder Buchverlage von einander auch die Fehler übernehmen. Besonders ärgerlich ist es, wenn man sich auf Tankstellen verlässt, die es seit vielen Jahren nicht mehr gibt.
Das morgendliche Baguette gibt es nur im Nachbardorf, d.h. ¾ Stunde Fußweg. Wir haben uns etwas verschätzt, es sieht nach viel weniger aus, eine Zugstrecke erzwingt Umwege. Aber frisches Baguette muss sein. Wir fahren wieder durch die elsässische Ebene mit ihren gepflegten Dörfern. Einfach schön! Schon am frühen Nachmittag erreichen wir Saverne, wo wir diesmal liegen bleiben. Denn am Abend wollen wir uns im bekannten „Maison Katz“ verwöhnen lassen mit Entenkeule und Fisch-Baeckeroffe. Köstlich!.
Ruhig lassen wir es auch am nächsten Tag angehen mit einer kurzen Etappe durch das geliebte Zorntal bis Lützelburg, Siesta, Cafecito, ein Spaziergang durchs Dorf und am Kanal entlang. Abends an Deck ist es wieder besonders idyllisch: Der Vollmond kommt über die Berge und Häuser, und Bäume spiegeln sich im Wasser. Einfach wunderschön!
Nach 4 Schleusen warten wir am nächsten Tag wieder auf den Schrägaufzug von Arzviller. Der Trog bringt uns nach oben und auch die beiden folgenden Tunnel passieren wir problemlos. Wir fühlen uns routiniert und entspannt. Bis zum Port de Houillon am Saarkanal gibt es keine Schleuse mehr.
Im Hafen ist die Hölle los, das ganze Hafengebiet ist über die Toppen geflaggt, hunderte Besucher. Die Erklärung: Heute findet hier ein großes Bouleturnier auf 20 Bahnen statt. Man spricht Deutsch, Französisch, Deutsch-Französisch, Alemannisch. Unzählige Pokale stehen auf dem Siegertisch. Kuchen, Gegrilltes und viel Wein und Bier befeuern die Spieler und die Zuschauer und nach der Siegerehrung wird getanzt. Und wir mittendrin.
Am nächsten Tag bleibt der Motor kalt. Vormittags machen wir „Klar Schiff“ und nachmittags eine Radtour am Kanal bis zur Schachtschleuse und zum Markt von Gondrexange, wo wir lecker riechende Seifen aus Marseille kaufen.
Der Höhepunkt aber kommt am Abend. Schließlich gibt es einen halbrunden Geburtstag zu feiern. Um 19.00 Uhr holt uns Monsieur Poiré mit dem Auto ab und bringt uns zum Restaurant „Chez Michelle“ nach Languimbourg. Hier haben wir vor fünf Jahren auch einen runden Geburtstag gefeiert. Was haben wir bestellt? Natürlich ein Mirabellenmenu, sehr, sehr gut! Monsieur Poiré jr. hat sich zu Recht einen Michelin – Stern erkocht.
Weiter geht es auf dem Saarkanal nach Mittersheim. Der frühere Saar-Kohlen-Kanal war der Transportweg der saarländischen Kohle zum Elsass und zum Rhein. Praktisch wird dieser Kanal von der Berufsschifffahrt nicht mehr genutzt. Landschaftlich ist er ein Erlebnis. Zunächst sind es die vielen Seen, die an beiden Ufern des Kanals zu sehen sind. Dann wechseln sich herrliche Wälder und Wiesen zwischen den Dörfern und Weihern ab. In Mittersheim ist die Marina seit einigen Jahren neu und großzügig gestaltet worden. Man liegt hier gern und ein freies Plätzchen findet sich immer.


Eine von 255 Schleusen

Um 9.30 Uhr sind wir an Schleuse 14 verabredet. Obwohl jetzt alle Schleusen elektrisch bedient werden können, fährt immer ein Schleusenbegleiter auf dem Moped mit. Mit uns schleust ein nettes Ehepaar aus Merzig. Wir sind schnell eingespielt und nutzen die optimalen Poller. Gemeinsam erreichen wir gegen 18.00 Uhr Sarreguemines und finden einen guten stadtnahen Liegeplatz beim „Club Nautique l’Eau Reine“. Sarreguemines ist die Steingut – Stadt. Zwar wurde die Porzellanherstellung aufgegeben, doch werden heute noch Fliesen und Kacheln hergestellt.
Am nächsten Morgen laufen wir in die Schleuse Güdingen ein, die letzte Pénichen – Schleuse, an der wir unsere Fernbedienung wieder abgeben. Wir sind zurück auf der Saar und in Deutschland. Saarbrücken passieren wir ohne Halt, zumal an den Ufern überall gebaut wird. Hoffentlich wird es wieder die Liegeplätze an der alten Brücke geben.
Auf der Weiterfahrt zu Tal folgen noch drei Schleusen, zuletzt die Schleuse in Rehlingen, die wir immer mit besonderer Vorsicht befahren, da wir uns hier schon zweimal aufgehängt haben. Zum Glück konnten wir uns jedes Mal mit einem beherzten Tritt gegen die Leine retten, ohne das Kaperbeil nutzen zu müssen. Um 17.00 Uhr sind wir in der Marina Merzig fest und stoßen abends im Restaurant „Zum Skipper“ auf unsere wunderschöne Reise und die glückliche Rückkehr an. Zurück am Steg trafen wir noch die fleißigen Schönbergers bei ihren Schiffen. Fazit: Wir freuen uns auf die nächste Tour mit der „Delfin“!


Der glückliche Skipper am Ende der Reise

 

Zum Schluss noch einige Daten im Überblick:

Das Schiff: Die „Delfin“ ist eine Linssen Grand Sturdy 29.9 AC,
Länge 9,35 m, Breite 3,35 m, Tiefgang 1 m.
Motor: 4 Zylinder Volvo Penta Diesel 55 PS
Tank: 240 l, Wasser: 220 l
Bugstrahl, Echolot, Log, Fäkalientank
2 Doppelbetten (vorn und achtern), Salonsofa zum 3. Doppelbett umbaubar, 1 Dusche, 1 WC,
Gesamtgewicht ca. 8 to.

Geplante Strecke: Saar – Mosel – Rhein-Marne-Kanal - Canal de Jonction – Vogesenkanal – Sa?ne - Rhein-Rh?ne-Kanal – Rhein – Rhein-Marne-Kanal – Saarkanal – Saar, ca. 1.115 km, 320 Schleusen, 6 Tunnel, 1 Schrägaufzug.

Gefahrene Strecke: Saar – Mosel – Vogesenkanal bis Charmes und zurück wegen Sperrung – Mosel – Rhein-Marne-Kanal –Rhein-Rhône-Kanal/Nordabschnitt - Rhein – Rhein-Rhône-Kanal/Südabschnitt – Rhein – Rhein-Rhône-Kanal/ Nordabschnitt - Rhein-Marne-Kanal – Saarkanal – Saar, 1.005 km, 255 Schleusen, 2 x 2 Tunnel, 2 x Schrägaufzug. Verbrauch: 384 l Diesel, 211 Fahrstunden,

Verbrauch ca. 1,8 l pro Stunde

Dauer: 5 Wochen


Ohne Worte

Text und Fotos: Werner und Ingrid Pfeiffer

 
   
         
         
       
         
 
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