Quiche-Lorraine-Tour (Törnbericht) - Teil 1  
         
 

Unser Törn mit der „Delfin“ oder wie wir zwei wunderbare Wochen bei der „Quiche – Lorraine – Tour“ verbrachten. In der Titelrolle die hübsche „Delfin“, eine Linssen Grand Sturdy 29.9, und in den Nebenrollen der Kapitän und seine Bordfrau*). „Kannst Du einen Palstek?“, fragte der Kapitän seine angehende Bordfrau im Februar des Jahres...

Die “Quiche - Lorraine - Tour” mit der “Delfin”(Teil 1)

Zwei Kanäle, zwei Flüsse und drei Länder

Text und Fotos Anette Leistenschneider und Ralf Deimel

 

So begannen die Vorbereitungen auf unseren zweiwöchigen Bootstörn, den wir von Mitte Juni bis Anfang Juli 2009 vom Osthafen in Saarbrücken aus starteten. Das heißt, erst einmal begann die Frau an der Seite des Kapitäns mit ihren Vorbereitungen. In den nächsten Wochen sollte jedes Seil, jede Schnur, jede Leine, die ihr in die Hände fiel, zu einem Palstek geknotet werden. Der Ehrgeiz, den Knoten „nachts um halb drei mit geschlossenen Augen“ machen zu können, hatte sie gepackt. Und es dauerte nicht lange, da waren der Palstek, der Webeleinstek, der Achterknoten und wie sie alle heißen zu ihren guten, alten Freunden geworden.

Sauerkrauttour

Die Sauerkrauttour
„Willst Du mit mir die Sauerkrauttour fahren?“ fragte der Kapitän ein paar Wochen später. Die Sauerkrauttour? Ja, die Sauerkrauttour! Der Kapitän hatte viele schöne Reiseberichte im Internet gefunden, die die Rundreise durch die Saarkanäle, den Rhein-Marne-Kanal mit einem Abstecher nach Saverne, die Mosel und die Saar beschrieben. Nun besorgten wir uns weitere Literatur - der Kapitän hatte im Jahr zuvor bereits den Main befahren, und das stets in Begleitung von Wolfgang Banzhafs Revierführer. Nun also legten wir uns sein Buch über „unser“ Revier zu und lernten dabei, dass man unseren Törn über die Saarkanäle, den Rhein-Marne-Kanal, die Mosel und die Saar die „Quiche-Lorraine-Tour“ nennt. Banzhafs Buch war uns die gesamte Reise über ein treuer und zuverlässiger Begleiter.
Es sollte eine Reise durch die Heimat der Bordfrau werden, aber aus einer ganz anderen Perspektive als vom Fahrrad, zu Fuß oder vom Auto aus. Oh ja, das war eine ganz wunderbare Idee!

Mademoiselle ‘Delfin‘
Bald hatte der Kapitän einen Vercharterer gefunden, der vier schöne Schiffe sein Eigen nannte. Familie Schönberger aus Saarlouis im Saarland, die Inhaber von „Yacht Charter Holiday Tours“, stand uns von Beginn der Planung an so sehr mit Rat und Tat zur Seite, dass wir auch hier noch einmal Danke sagen möchten. So verabredeten sich also der Kapitän und seine Begleiterin im April mit Herrn Schönberger im Yachthafen in Merzig, um dessen Schiffe zu besichtigen und eine Probefahrt zu machen. Und sofort haben sich die beiden verliebt. Nein, nicht ineinander, das waren sie sowieso schon, sondern in eine weitere Dame, die so charmant und hübsch anzuschauen im Hafen lag, dass wir uns sogleich für eine Ménage à Trois mit Mademoiselle Delfin entschieden.
Mademoiselle Delfin ist eine Linssen Grand Sturdy 29.9, Baujahr 2007, bildhübsch und ein wirkliches Juwel in jeder Hinsicht. Um sich ein wenig zu beschnuppern, starteten der Kapitän und die Delfin zu einer kleinen Probefahrt. Sofort haben sich Chef und Schiff angefreundet, so gut war Mademoiselle Linssen zu manövrieren. Sie fuhren zielstrebig durch die enge Hafeneinfahrt auf die Saar hinaus, legten dann geschmeidig an der Kaimauer an, wendeten auf engstem Raum und kehrten später glücklich miteinander in den Yachthafen zurück, wo die Linssen wieder sanft rückwärts in ihre kleine Box glitt.
Der Kapitän seufzte selig über die Fahreigenschaften der Linssen 29.9, über ihre so direkte Reaktion, ihre Wendigkeit und überhaupt ihr Fahrverhalten, das so gutmütig und konsequent ist. Und so schauten wir beide uns nur an und wussten es - gemeinsam mit dieser jungen Dame wollten wir unseren Törn über 4oo Flusskilometer, 86 Schleusen, 2 Tunnels, einen Schrägaufzug, über zwei Kanäle, zwei Flüsse und durch drei Länder machen!
Jetzt wurde es ernst - der Törnplan musste erstellt werden. Wie viele Kilometer würden wir pro Tag wohl zurücklegen können? Wie viel Zeit würde das Schleusen in Anspruch nehmen? In welchen Städten sollten wir vielleicht einen Hafentag einlegen? Wann bräuchte unser Schiff Proviant, frisches Wasser? Waren unsere ersten Planungen realistisch? Fragen über Fragen - die uns Herr Schönberger geduldig beantwortete und uns viele Hinweise und Reisetipps gab.


Sauerkrauttour

Die erste Schleuse
Der 22. Juni rückte näher und näher - und unsere Vorfreude wurde größer und größer. Endlich, nur noch einmal auf festem Boden schlafen, dann geht es los!
Herr Schönberger erwartet uns an diesem Montagmorgen am Yachthafen in Saarbrücken und erklärt dem Kapitän und seiner Crew noch einmal alles, was während des Törns bedacht werden muss.
Das Wetter ist perfekt für einen Start, die Sonne scheint, brennt aber nicht vom Himmel, der Wind ist noch ein wenig frisch - und wird später immer genau dann auffrischen, wenn wir ihn so gar nicht gebrauchen können: bei der Ein- und Ausfahrt in Schleusen oder beim Anlegemanöver im Hafen … So besteigen zusammen mit Kapitän Ralf seine „Chefmatrosin“ Anette (später wird sie auch Chef-Schleuserin sein, Chef-Fenderausrichterin, Chef-Anlegerin, Chef-Ablegerin, Chef-Leinenwicklerin und Chefköchin) und für den ersten Tag zur Unterstützung „Matrose“ Werner ihre schöne Yacht und los geht es - direkt auf die erste Schleuse Güdingen zu.
Delfin Linssen gleitet gelassen und ganz ruhig in die erste kleine Schleuse gleich hinter Saarbrücken, während beide Matrosen höchst aufgeregt ihr erstes Schleusenmanöver vorbereiten. Die Fender auf die richtige Höhe hängen, die Leinen nochmals prüfen, die Bootshaken bereitlegen, nochmals nach den Fendern schauen, das kann nie schaden, - ist der Bootshaken noch dort, wo ich ihn vor 20 Sekunden hingelegt habe? Können sich die Matrosen die Schleusenpoller mit Leinen und Bootshaken gut schnappen? Warum zum Klabautermann kleben die Handschuhe so aneinander? Ist der Bootshaken immer noch da? Hängen die Fender immer noch richtig?? Den Matrosen steht der Schweiß der Aufregung auf der Stirn - während Kapitän Ralf seine Delfin so ruhig in die Schleuse einfährt, dass er haargenau bei den Pollern zum Halten kommt. Und wieder sehe ich in seinen Augen den Glanz darüber, dass unser Schiff so gut zu manövrieren ist, dass auch das Anlegen in der engen Schleuse auf (Poller-)  Punkt richtig Freude macht.
„Fender klar? Leinen klar? Bootshaken klar?“ - „Fender klar, Leinen klar, Bootshaken klar, Käpt´n!“ Der Schleusenwärter schließt die Tore, das Wasser schießt ein, unser Schiff wird um 3m gehoben, die Tore öffnen sich wieder - und schon haben wir unsere erste Bergwärts-Schleusung erfolgreich gemeistert und wir fahren weiter in den Saarkanal hinein.
An der Güdinger Schleuse bekommt man vom Schleusenwärter eine Fernbedienung für die automatischen Schleusen bis kurz vorm Mittersheimer Anlegeplatz, wo man diese dann wieder abgibt. Etwa zwei- bis dreihundert Meter vor der Einfahrt in jede Schleuse gibt es ein gut sichtbares Signal, das wir mit unserem Transponder „anfunken“ und kurz warten, bis die Schleusenampel uns „Grün“ zur Einfahrt signalisiert.

Saar-Kohle-Kanal
Der Saarkanal hieß früher „Saar-Kohle-Kanal“, denn bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde auf dem Kanal per „Péniche“ die Steinkohle von den heute saarländischen Gruben über den Rhein-Marne-Kanal zum Rhein und Eisenerze aus Lothringen und dem Elsass zu den saarländischen Hüttenwerken befördert. So sind die Schleusen genau der Größe der ehemaligen Kohlenschiffe angepasst - sie sind 39 m lang und 5,15 m breit.
Da trägt uns unsere bezauberende Yacht durch eine herrliche Landschaft mit sanft gewellten Hügeln. Bäume und Sträucher säumen den Kanalrand. Schmetterlinge umflattern uns und immer wieder heißt es: „Fender klar? Leinen klar? Bootshaken klar?“, denn eine Schleuse folgt der anderen und so werden die Schleusenmanöver für beide Matrosen schnell zur Routine.
Unser erster Anlegeplatz wird die idyllische Steganlage von Wittringen sein, wo wir am Abend mit nachgekommenen Freunden den Geburtstag der Chefmatrosin feiern.
Wir bereiten ein kleines Abendessen auf dem Grill der Anlegestelle zu und verbringen einen herrlichen Abend. Unsere kleine Yacht wird von allen neugierig besichtigt. Und wir sind stolz, ihnen unser kleines Schmuckstück zeigen zu können. Alle bestaunen die vielen Möglichkeiten, Kleidung und Vorräte zu verstauen und die geschickte Raumaufteilung. Und so lassen wir unseren ersten aufregenden und spannenden Reisetag gemeinsam mit Freunden, darunter auch einem kleinen Jack Daniels, auf dem Achterdeck ausklingen.


Sauerkrauttour

Französische Binnengewässer. Unwiderstehlich.
Die zweite Übernachtung führt uns nach Mittersheim, dessen Weiher ein Wochenend-Ausflugsziel vieler Saarländer, Pfälzer und Lothringer ist. Einige haben dort ihr Wochenendhäuschen oder kommen zum Angeln, Rudern oder Windsurfen hierher.
Am darauffolgenden Tag bewältigen wir eine Schleusenkette mit 13 dicht hintereinanderliegenden Schleusen gemeinsam mit einem Schweizer Hausboottrio. Dazu muss man sich am Vortag an der Mittersheimer Schleuse anmelden. Es empfiehlt sich, gleich mit Öffnung der ersten Schleuse um  9 Uhr abzulegen, denn Punkt 12 Uhr genießen die französischen Schleusenwärter eine Stunde lang ihre verdiente Mittagspause. In Frankreich ist das Mittagessen heilig! Und wir gönnen es ihnen. Sie haben uns mit dem Auto auf dem Treidelpfad neben dem Kanal begleitet und die noch nicht automatisierten Schleusen per Hand geöffnet und geschlossen. „Unser“ Schleusenwärter war eine Dame, der immer tatkräftig von den mitfahrenden Bootsmännern geholfen wurde - merci, Madame, merci Messieurs! Wer nach 9 Uhr in Mittersheim ablegt, der muss innerhalb dieser Schleusenkette eine Stunde vor sich hindümpeln - da gibt es kein Vor und Zurück.
Vom Hafen in Niderviller aus legten wir am nächsten Morgen Richtung Saverne ab. Wie so oft trafen wir auch hier auf nette Menschen - der Hafenmeister lieh uns sogar sein Fahrrad, damit wir im Dorf frisches Baguette und Brioche kaufen konnten.
Der nächste Streckenabschnitt ist laut dem bekanntesten britischen Wassersportautor und Fotografen Hugh McKnight der schönste der Rundreise. Das können wir nur bestätigen! „Angenommen, mir stände nur ein Tag zur Verfügung, um jemanden von den Schönheiten des Bootfahrens auf französischen Kanälen zu überzeugen, würde ich ihn auf den 20 km langen Stück des Rhein-Marne-Kanals von Saverne bis Niederviller, im Nordwesten des Elsass, mitnehmen. Wir würden durch Schleusen bergauf, entlang des steilwandigen und dicht bewalteten Tals der Zorn nach Lutzelbourg gelangen, dieses reizvolle Städtchen in den Vogesen bestaunen, weiterreisen dorthin, wo der Schrägaufzug von Arzviller unser Boot an einer steilen Wand hochzieht, durch Kiefernwälder fahren und schließlich in den Untergrund eintauchen, in 2 Tunnel, die den Weg in die liebliche Landschaft Lothringens öffnen. Auf diesen 20 km findet sich, in einem Mikrokosmos zusammengedrängt, all das, was mich an den französischen Binnengewässern so unwiderstehlich anzieht.“ (aus Banzhaf, S. 150).


Sauerkrauttour

Die zwei Tunnel
Wir haben das Glück diese wunderschöne Strecke in beide Richtungen zu befahren, da wir in Saverne wenden.
Zunächst fahren wir durch den ersten, 480 m langen Tunnel. Bei der Einfahrt begrüßt uns eine Fledermaus.
Der zweite - fast 2,5 km lang - erfordert einiges an Konzentration und den Einsatz unserer 55 W Halogenleuchte und ihrer kleinen Schwester. Kaum hat das Tageslicht uns wieder, wartet ein nächster Reisehöhepunkt auf uns. Den Schrägaufzug von Arzviller haben wir den längst ausgemusterten lothringischen Kohleschiffen zu verdanken. Er wurde 1968 in Betrieb genommen, um den Schiffern 42 Meter an Höhenunterschied, 16 Schleusen und somit einen ganzen Arbeitstag zu ersparen. Wir machen unsere Linssen 29.9 im fahrbaren Bassin des Schrägaufzuges fest und gleiten sanft in die Tiefe. Dieses Erlebnis sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen, auch wenn man diesen Abstecher nach Saverne erst talwärts und dann dieselbe Strecke wieder zu Berg fährt. Fährt man die „Große Sauerkrauttour“, geht es von Saverne aus weiter in Richtung Rhein und Straßburg, um dann bei Koblenz in die Mosel zu gelangen.


Sauerkrauttour

Saverne
Im Hafen von Saverne legen wir am schönsten Liegeplatz an - direkt gegenüber der 140 m langen klassizistischen Fassade des Rohan-Schlosses aus dem Jahre 1740.
Wir machen unsere Delfin und uns ausgehfertig und lassen den Abend mit zwei leckeren elsässischen Flammkuchen in Begleitung eines oder auch zwei Pinot Gris in einem kleinen Restaurant direkt an der Schleuse ausklingen.
Am nächsten Morgen legen wir bei herrlichem Sonnenschein ab, passieren wieder den Schrägaufzug und die beiden Tunnel, um dann am Abend an der Steganlage des Örtchens mit dem Zungenbrecher-Namen Xouaxange anzulegen. Und wieder einmal beschert uns der Törn eine sehr berührende und interessante Begegnung. Auf einer Wiese am Steg schlägt ein Wallfahrer auf den Spuren des heiligen Jakobus sein Zelt auf. Er ist mit seinem schwerbepackten Fahrrad einige Tage zuvor in Ettlingen bei Karlsruhe aufgebrochen, fährt etwa 100 Kilometer pro Tag und will innerhalb von sechs Wochen in der Kathedrale von Santiago de Compostella dem Heiligen Jakobus Dank sagen. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen alles Gute und eine gute Fahrt.

Anette Leistenschneider, Regisseurin, und Ralf Deimel, Dipl. Wirtsch. Ing., fuhren im Sommer 2009 mit einer Linssen 29.9 ihren ersten gemeinsamen Törn, die sog. Quiche-Lorraine-Tour. Für Ralf Deimel war diese Reise der zweite Törn und es war ein großes Glück für ihn, diesen auf einer Linssen zu fahren. Seit diesem Zeitpunkt sind Ralf und Anette  mit dem Linssen-Virus infiziert. Weitere gemeinsame Törns auf einer Linssen sind in Planung.

 

 
   
         
         
       
         
 
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