Quiche-Lorraine-Tour (Törnbericht) - Teil 2  
         
 

Der Kapitän zieht los, um den Ort zu erkunden. Freudestrahlend kommt er zurück - er hat uns in der kleinen Dorf-Auberge zum Abendessen angemeldet. Und nicht nur das - zur Auberge gehört auch ein klitzekleiner Lebensmittelladen im Nebenraum. Beim Patron hat er für den nächsten Morgen Baguette und Brioche bestellt und für denselben Abend einen Tisch im Restaurant. Später werden wir dort ein herrliches Entrecote essen, wieder einen guten Elsässer Wein genießen und zufrieden zurück an Bord gehen.
Nachts hat es kräftig geregnet und wir stellen uns auf einen frischen, kühlen Tag ein. Aber schon nach ein paar gefahrenen Flusskilometern auf dem Rhein-Marne-Kanal in Richtung Nancy schaut die Sonne wieder durch die Wolken und wir legen unsere Fleece-Pullover wieder in die Vorderkajüte. Heute erwartet uns die Schachtschleuse von Réchicourt, sehr einladend auch „Das Grab“ genannt.
Sie hat eine Tiefe von 16 Metern und ist damit die Schleuse mit der höchsten Fallhöhe im französischen Wasserstraßennetz, was der Chefschleuserin größten Respekt abringt. Der nette Schleusenwärter übergibt nicht nur eine Fernbedienung für die nächsten Schleusen des Kanals, sondern winkt uns auch noch zu einem der vorderen Schwimmpoller hin. „C´est plus doucement ici, Madame!“ („Das ist sanfter hier, Madame!“). Und so wird die Talwärtsschleusung in diesem imposanten Bauwerk ein ganz langsamer, sehr beeindruckender Abstieg, der unsere Blicke immer zu den riesigen Schleusentoren hinzieht. Wir fühlen uns wie Tut-Ench-Amun; unsere Delfin tuckert leise vor sich hin und es ist fast schon schade, als das vordere Tor sich behäbig öffnet und wir unsere Kanalfahrt fortsetzen können.
Weiter geht es in Richtung Nancy, wobei wir die automatischen Schleusen ein paar hundert Meter vor der Einfahrt mit der Fernbedienung vorbereiten. Bis das Signal von rot auf grün wechselt, die Tore sich öffnen und wir in die Schleuse einfahren können, müssen wir selten warten. Wenn der Kapitän die blaue Stange am Ufer nicht vom Schiff aus erreichen kann, muss er in der Schleuse aussteigen und durch Hochschieben den Schleusenvorgang auslösen. Seine Matrosin ist immer sehr froh, wenn er wieder an Bord ist.

Quiche Lorraine Tour

Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt
Wir steuern Parroy an; leider ist an diesem Samstagabend für einen Kanuwettbewerb der Hafen für andere Schiffe gesperrt. Weiter geht es nach Crevic, wo wir kurz vorm Schließen der nächsten Schleuse um 19 Uhr müde an der Kaimauer anlegen. Unsere Delfin wird fest vertäut und wir spazieren ins Dorf, um ein Restaurant zu finden. Außer einer Kneipe findet sich leider nichts und so bereiten wir unser Abendessen in der Küche unseres Schiffes zu. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt; dem ersten „Kleinen Gruß aus der Küche“ in Form einiger Oliven folgt ein zweites „Amuse Bouche“: französische Salami in mundgerechten Stückchen, die uns so gut munden wie eine ganz außergewöhnliche Delikatesse … Es folgen eine eigene Pasta-Kreation und ein improvisierter Käseteller. Der Kapitän wird nach der anstrengenden fast neunstündigen Fahrt von seiner Bordfrau mit einem richtigen Menu verwöhnt. Und genießt es sehr! Er ist voll des Lobes über das improvisierte Menu, das ihm wie ein Drei – Sterne – Essen in dieser idyllischen Umgebung mundet. Unser kleiner Gasherd tut seine Dienste ganz hervorragend und so wird uns dieses Essen immer in Erinnerung bleiben.
Sonntags geht es weiter an imposanten Industrieanlagen vorbei; wir passieren die Kanalbrücke des Kanals über den Fluss Meurthe, der in kleinen Cascaden unter dem Rhein-Marne-Kanal hindurchfließt. An diesem heißen Sommernachmittag legen wir im Hafen von Nancy an. Hier zeigt sich wieder die Wendigkeit unseres Schiffes - die Delfin schmiegt sich elegant rückwärts in die enge Box im Hafen ein. Wer an einem so herrlichen Sommersonntag in Nancy anlegt, sollte am frühen Nachmittag dort sein, denn Nancy ist ein viel frequentierter Hafen. Und eine interessante Stadt. Unsere Nachbarn, ein amerikanisches Ehepaar, das seit vier Wochen im Hafen von Nancy  liegt, empfehlen uns am Abend auf dem Place Stanislas die Show „Son et Lumière“ anzuschauen. Wir sind begeistert! Was uns da auf die Fassade des „Hôtel  De Ville“ projiziert wird, ist fast unglaublich. Farbspiele, Statuen, barocke Bilder, Statuen, Louis XIV - wir staunen stumm.

Die Sonne strahlt mit uns um die Wette
Am Montag geht es weiter Richtung Metz; die Sonne strahlt mit uns um die Wette. Auch, weil der Kapitän seiner Bordfrau einen kleinen Rosenstock vom Frühstückseinkauf mitbringt, der sie dann noch lange über den Törn hinaus erfreut. Hinter Nancy haben wir unseren Mast auch wieder aufgerichtet. Vor unserem Törn hatte es oft und stark geregnet; so war der Wasserstand im Kanal entsprechend hoch. Damit die Durchfahrt unter den kleineren Brücken nicht zu einer Zitterpartie werden sollte, hatten wir auf Anraten unseres Vercharterers den Mast während der Fahrt umgelegt. Von nun an aber war unsere Grand Sturdy wieder in ihrer vollen aufgerichteten Schönheit unterwegs.
Uns erwarten die ersten Moselschleusen - mit 170 m Länge doch ein ganz anderes Format als unsere bisherigen Kanal-Schleusen. Wir Drei schleusen einige Zeit gemeinsam mit einem großen Frachtschiff. Hier kommt nun auch das Funkzeugnis des Käptns endlich zum Einsatz. „Frouard écluse, Frouard écluse, Frouard écluse! Ici Motoryacht Delfin, Motoryacht Delfin, Motoryacht Delfin! Nous sommes au kilometre 157, direction Metz. Est-ce que nous pouvons écluser?” “Schleuse Nancy, hier Motoryacht Delfin. Wir sind auf Höhe Flusskilometer 157, Richtung Metz. Können wir schleusen?“ „Ici écluse - prenez la petite écluse à gauche!“ Gut, wir warten vor der linken, kleinen Schleusenkammer, bis ein Ausflugsschiff mit Schulkindern geschleust hat.

Quiche Lorraine Tour

Im Metzer Hafen werden wir wie überall freundlich aufgenommen; am nächsten Morgen helfen uns nette Holländer in der Box neben uns beim „Wasserfassen“, weil uns ausgerechnet der passende Aufsatz für diese „Wasserstelle“ fehlt, obwohl wir mehrere an Bord haben. Wie überall wird geholfen, werden Informationen und Tipps ausgetauscht, es wird geplauscht und wir lernen wieder einmal freundliche andere Bootfahrer kennen.
Mit unserem kleinen Schmuckstück geht es weiter die Mosel talwärts; uns begegnen 5000-Tonnen-Frachtschiffe, wir schleusen mit Berufsschiffern und anderen Sportbootfahrern. Ausgerechnet am heißesten Tag unseres Urlaubs müssen wir vor der Schleuse Thionville eine lange Zeit warten. Zuerst wird ein großes Lastschiff geschleust, das die Kammer ganz ausfüllt. Bei der Ausfahrt gibt es dann ein Problem - ein ebenso großes Schiff, das von der anderen Seite in die Schleuse mit Einbahnregelung einfahren will, versperrt die Ausfahrt. Bis das riesige Schiff wieder rückwärts durch den engen Einfahrtskanal bugsiert worden ist, das erste Schiff die enge Durchfahrt passierte und dann das zweite Schiff geschleust wurde, vergingen fast drei Stunden…

Und wieder genießen wir einen herrlichen Abend auf unserem Schiff
Am Abend des Dienstags legen wir an der mittlerweile geschlossenen Steganlage von Sierck–les-Bains  an; wir freuen uns auf ein schönes Abendessen im Ort und werden leider erst einmal enttäuscht. Dienstags sind alle Lokale geschlossen. Also machen wir es uns auf dem Achterdeck gemütlich und werden bei Pasta und Rotwein mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und Blick auf die Burganlage im Abendsonnenschein mehr als entschädigt. Und wieder genießen wir einen herrlichen Abend auf unserem Schiff.
Am nächsten Tag heißt es erst gegen 11 Uhr „Leinen los!“ - wir wollen an der Schiffstankstelle in Schwebsange / Luxemburg tanken und eine Freundin für die letzten zwei Tage unserer Fahrt aufnehmen. Gaby, eine passionierte Seglerin, ist extra von München nach Luxemburg gekommen, um ein paar Mosel - und Saarkilometer mit uns und „unserer“ kleinen Yacht zurück zu legen.
Nachdem wir erst einmal fast zwei Stunden warten müssen, da das Benzin ausgegangen und der Tanklastzug noch unterwegs ist, nehmen wir unseren Gast an Bord und legen wieder ab. Wir setzen unsere Reise durch Weinberge hindurch fort, genießen die Sonne und die herrliche Landschaft. Am späten Nachmittag legen wir in Wasserbillig an, wo uns der nette Hafenmeister ein kleines Restaurant direkt am Yachthafen empfiehlt. Dort lassen wir den Abend bei leckerem kühlem Luxemburger Elbling und einem saftigen Steak ausklingen.
Das Ende unserer Reise naht; schon etwas wehmütig legen wir ab und fahren weiter moselabwärts. Uns begegnen der Passagierdampfer „Princesse Marie-Astrid“, auf dem 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet wurde, einige Dickschiffe und die Wasserschutzpolizei. Ab Konz befahren wir unseren letzten Flussabschnitt: die Saar. So führt uns der vorletzte Reisetag nach Saarburg, einem hübschen Weinstädtchen mit einer besuchenswerten Altstadt. Wir legen an, neben einer „großen Schwester“ unserer Delfin:  am Gästesteg des WSC Saarburg hat bereits eine Linssen Grand Sturdy 430 Mark II angelegt. Ein majestätisches Schiff. Von den anderen Bootsmannschaften werden die beiden hübschen Schwestern sehr bewundert.

Quiche Lorraine Tour

Mitten in der Stadt staunen wir über einen Wasserfall
Wir machen uns und unser Schiff ein vorletztes Mal „ausgehfertig“; ein etwa halbstündiger Fußweg führt uns ins Städtchen hinein. Mitten in der Stadt staunen wir über einen Wasserfall, der spektakulär in die Tiefe stürzt - und mit seiner Kraft die drei Mühlräder einer alten Mühle antreibt. Auf dem Marktplatz verbringen wir den Abend dieses heißen Tages mit einem kleinen Abendessen und gutem Saarwein. Wieder zurück auf unserer Yacht sitzen wir noch lange auf dem Achterdeck und lassen den Törn Revue passieren.
Unser letzter Reisetag führt uns in den Heimathafen der „Delfin“, den Yachthafen in Merzig. Die Gäste für die letzten 10 Flusskilometer unserer Fahrt wollen wir um 16 Uhr hinter der Schleuse Mettlach aufnehmen. Und da müssen wir zum zweiten Mal im Laufe unseres Törns länger an einer Schleuse warten. Erst nachdem zwei Ausflugsdampfer, die in halbstündigen Abständen die Schleuse passieren, geschleust haben, erhalten wir die Einfahrtserlaubnis. Vorher haben wir etwa eine Stunde lang an der Kaimauer gewartet. Der Kapitän des Sportbootes hinter uns, der die Schleuse oft befährt und die manchmal langen Wartezeiten kennt, nutzt die Pause zu einem Landspaziergang.
Unsere Gäste genießen die Fahrt um die „Saarschleife“, einem Mäander der Saar um den Taunusquarzit herum. Einige Staatsoberhäupter wie u.a. der preußische König Friedrich Wilhelm IV, Konrad Adenauer, Jacques Chirac und Angela Merkel haben den hochgelegenen Aussichtspunkt „Cloef“ besucht und den Blick auf die Saarschleife genossen.
In Merzig legen wir ein letztes Mal an - und zelebrieren ein letztes Abendessen mit unseren Gästen auf dem Achterdeck.
Mit einem Blick in den Sternenhimmel und dem Wunsch, in absehbarer Zeit wieder mit einer Linssen einen größeren Törn zu fahren, nehmen wir Abschied von zwei so schönen Wochen, deren Eindrücke wir noch lange in uns tragen werden.

Anette Leistenschneider, Regisseurin, und Ralf Deimel, Dipl. Wirtsch. Ing., fuhren im Sommer 2009 mit einer Linssen 29.9 ihren ersten gemeinsamen Törn, die sog. Quiche-Lorraine-Tour. Für Ralf Deimel war diese Reise der zweite Törn und es war ein großes Glück für ihn, diesen auf einer Linssen zu fahren. Seit diesem Zeitpunkt sind Ralf und Anette  mit dem Linssen-Virus infiziert. Weitere gemeinsame Törns auf einer Linssen sind in Planung.

 

 
   
         
         
       
         
 
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